Die Concordantiae caritatis des
ULRICH von LILIENFELD
Codex 151

ist unter den Handschriften des Stiftes wahrscheinlich der größte Schatz.

Schon mehrfach bei großen internationalen Ausstellungen präsentiert, blieb ihr Inhalt bisher weitgehend den wissenschaftlichen Bearbeitern vorbehalten. Die Concordantiae caritatis (Konkordanzen der Liebe) sind eine einzigartige Handschrift vom Typus der "Armenbibeln". Sie sollte dem einfachen Klerus zur Predigtvorbereitung aber auch zur Erbauung dienen. Die 263 Pergamentblätter [36,4 x 28,2 cm] wurden Mitte des 14. Jhs. von Abt Ulrich von Lilienfeld verfasst.
Im aufgeschlagenen Zustand stehen sich überwiegend Bildseite (verso) und Textseite (recto) gegenüber. Die Illustrationen (lavierte Federzeichnungen) werden drei verschiedenen Künstlern, von sehr unterschiedlichem Niveau, zugeschrieben. Wahrscheinlich hat auch Ulrich selbst Hand angelegt.


Inhalt:
Im ersten Teil eine Predigtsammlung, im zweiten ein Bilderkatechismus:

Predigtsammlungen
Bilderkatechismus
Temporale
156 Predigtskizzen, die den Leser durch die Festkreise des Kirchenjahres führen. Einem Evangelientext folgt jeweils eine umfangreiche Auslegung.
Speculum
Ein unbebildertes Exzerpt eines im Spätmittelalter beliebten Erbauungsbuches, dem Speculum humanae salvationis (Spiegel des menschlichen Heils)

Sanctorale
73 Predigtskizzen zu den Festen des Heiligenjahres, beginnend mit dem Fest des Hl. Andreas und endend mit der Hl. Katharina. Ulrich nimmt auch österr. Lokalheilige (z.B. den Hl. Florian od. Hl. Koloman) in sein Kalendarium auf.
Commune
Noch neun allgemeine Predigten zu:
Kirchweih,
Primiz,
Weltgericht,
den Aposteln, Märtyrern,
Bekennern und Jungfrauen
Bilderkatechismus
Die Kapitel thematisieren die spätmittelalterliche Katechese.
Behandelt werden die Zehn Gebote, eine Bildersammlung über Sünden- und Tugendkategorien, Der "Rat der Vögel"-Baum und andere Baum-Schemata.
Die Perikopen der Predigtsammlungen wurden von Ulrich nicht nur allegorisch kommentiert, sondern auch tropologisch, hatten also einen moralischen Anspruch, der sich sozialkritisch an alle Christen (gläubige Laien, Adel, Klerus, Kirchenobere) wandte. BEISPIELE ZUM
BILDER-KATECHISMUS

Aufbau und Besonderheiten:

AKTIV sind alle Bildfelder links - klick

Das Schema:
Fünf große Bild- bzw. Textbereiche widerspiegeln die fünf Interpretationsschritte seiner Predigt.
• Das Bild im großen Kreis entstammt dem NT oder der Heilsgeschichte. Vier Prophetenmedaillons mit Umschriften verstärken das Ereignis.
•• Diese Darstellung wird von Ulrich erläutert und durch jeweils zwei Übereinstimmungen aus dem AT (Rechteckbilder, obere Reihe) bzw.
•• aus der Naturgeschichte (untere Bilderreihe) bekräftigt.
Das alttestamentliche Beispiel (typos) sollte gleichsam das neutestamentliche (antitypos) präformieren.
Ulrich von Lilienfeld griff damit das für das Mittelalter typische Denkmuster der Typologie und Naturallegorie auf. Mit unvergleichbarer Konsequenz verfolgt Ulrich dabei die naturallegorischen Deutungen.

 

weiterführende Literatur