Steinmetzzeichen im Stift Lilienfeld

Steinmetzzeichen sind Marken, die vor dem Versetzen der Steine eingehauen wurden. Die frühesten Zeichen treten um die Mitte des 12. Jahrhunderts auf. Die Arbeiten am Stein wurden ursprünglich von Konversen und Taglöhnern um Gottes Lohn beziehungsweise für Naturalien verrichtet.
Bei einfachen Bausteinen, die sich kaum unterschieden und in Massen angefertigt wurden, setzte sich bald Akkordentlohnung durch. Dazu war am Ende einer Arbeitsperiode eine Nachprüfung der Anzahl der angefertigten Blöcke mittels der eingehauenen Steinmetzzeichen notwendig.
Im 14. und 15. Jahrhundert änderte sich die Bedeutung der Zeichen durch die Erstarkung des Selbstwertes der Meister und Aufwertung der Bauhütten. Ab nun erhielt das Steinmetzzeichen amtlichen Charakter und wurde dem Steinmetzgesellen nach beendeter Lehrzeit von der Bauhütte als Ehrenzeichen ausgestellt.

In Lilienfeld sind bisher über 200 Steinmetzzeichen aufgefunden worden, unter ihnen 88 verschiedene. Die älteren romanischen Zeichen sind meist groß und einfach gestaltet. Ab der Gotik erfahren sie eine feinere Ausgestaltung und werden oft Schriftzeichen mit Serifen ähnlich.

Die Häufigkeitsverteilung (in der Tabelle mit Zahlen angegeben) zeigt, dass nur wenige der Zeichen sehr häufig vorkommen. Die meisten sind nur vereinzelt aufzufinen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Gesellen auf Wanderschaft, wie auch anderorts, in Lilienfeld ihre persönliche "Visitenkarte" hinterließen. Auf einem Poligonpfeiler im Querschiff der Basilika finden wir sogar über 30 verschiedene Steinmetzzeichen.